Steigende Zahlen bei Kindeswohl-Gefährdungen – wie sieht´s denn bei uns in Lippe aus?

Die aktuellen Zahlen zeigen: Kindeswohlgefährdungen (KWG) sind bundesweit gestiegen.

Im Jahr 2024 wurden Jugendämtern zufolge rund 72.800 Fälle von Kindeswohlgefährdung gemeldet. Das sei ein neuer Rekordwert in Deutschland. 

👀 Weil das überall Thema ist, wollten wir wissen:

Wie sieht’s eigentlich bei uns im Kreis Lippe aus?

🗣️ Also haben wir nicht nur untereinander drüber geredet, sondern nachgefragt bei Ulrike Glathe, Jugendamtsleitung beim Kreis Lippe. Und so sieht´s aus:

Auch im Kreis Lippe steigen die Meldungen mit Verdacht auf Kindeswohlgefährdungen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass mehr Gewalt passiert – sondern auch, dass mehr hingeschaut wird.

Ein wichtiger Grund dafür ist das gut funktionierende Netzwerk in Lippe:

Durch Öffentlichkeitsarbeit, Prävention in Kitas, Schulen und Einrichtungen und eine klare Ansprache wird das sogenannte Dunkelfeld erhellt. Es wird offener darüber gesprochen, was in Familien passiert – auch mit Kindern und Jugendlichen selbst. Gleichzeitig werden Hilfsangebote bekannter, ebenso wie die Folgen von Vernachlässigung und Gewalt für junge Menschen.

Ulrike Glathe betont: Jeder Mensch hat Rechte. ⚖️

Und der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist eine Verantwortung der Erwachsenen. In erster Linie der Eltern, aber ebenso von Fachkräften und der gesamten Gesellschaft. Prävention darf nicht stehen bleiben – sie muss sich stetig weiterentwickeln, Gesprächsangebote schaffen und sichtbar bleiben. Auch das Jugendamt reflektiert seine Arbeit kontinuierlich und entwickelt Angebote weiter, orientiert an den Bedarfen junger Menschen und ihrer Familien.

Auffällig ist: Meldungen kommen nur selten direkt von Minderjährigen.

👥 Kinder und Jugendliche brauchen deshalb vertrauensvolle Erwachsene, die hinschauen, zuhören, nachfragen und sie begleiten, wenn Hilfe notwendig wird. In Gewaltsituationen wünschen sich junge Menschen vor allem eines: dass es aufhört und sich etwas verändert. Die Verantwortung dafür liegt nicht bei ihnen, sondern bei den Erwachsenen.

🤍 Ängste, Sorgen und Zweifel von Kindern und Jugendlichen müssen ernst genommen werden. Eine gute Beziehung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand anvertraut. Junge Menschen brauchen starke Erwachsene, die Verantwortung übernehmen und sie nicht weiterreichen. Positive Erfahrungen im Schutz und in der Begleitung sind entscheidend.

Auch in den Hilfeverfahren des Jugendamtes haben Kinder und Jugendliche ein Recht auf Beteiligung. Sie sollen gehört werden, ihre Meinung und Wünsche zählen. Dabei müssen ihre Grenzen respektiert werden. Erwachsene – Eltern wie Fachkräfte – tragen hier eine Vorbildfunktion. Fehler einzugestehen und sich Hilfe zu holen, ist kein Scheitern, sondern Mut und Stärke.

Ulrike Glathe macht deutlich:

🌱In Deutschland müsste insgesamt viel mehr für Kinder und Jugendliche getan werden – flächendeckend, in allen Bereichen von Beteiligung, Teilhabe und Schutz. Dafür sind wir alle gefragt und gefordert.

📍Hilfe & Beratung

Auf unserer Website www.ort-der-kinderrechte.de gibt es Informationen zu Unterstützung und Beratung im Kreis Lippe.

👉Wichtig: Schnapp dir eine vertraute Person und lass dich begleiten.

Nur Mut. Es gibt viele Möglichkeiten für Veränderung – auch und gerade im Kinderschutz. 🤍