Ferien: und du hast eher Angst als Vorfreude?

Für viele bedeuten Sommerferien: Ausschlafen, Freunde treffen, Urlaub oder einfach mal abschalten.

Aber vielleicht fühlt es sich für dich ganz anders an.

Vielleicht denkst du gerade: „Jetzt bin ich sechs Wochen nur zu Hause.“

Und vielleicht weißt nur du, was das wirklich bedeutet.

Denn hinter manchen Wohnungstüren passiert etwas, das andere nicht sehen. Streit. Gewalt. Vernachlässigung. Psychische Erkrankungen. Suchterkrankungen. Oder du trägst Verantwortung, die eigentlich Erwachsene tragen müssten.

Wenn du dich darin wiedererkennst: Du bist nicht allein.

Manchmal denken Kinder und Jugendliche:

  • „So schlimm ist es doch gar nicht.“
  • „Andere haben es bestimmt noch schwerer.“
  • „Das glaubt mir sowieso niemand.“
  • „Ich will keinen Ärger machen.“

Aber weißt du was? Deine Gefühle sind wichtig.

Wenn du Angst hast. Wenn du dich zu Hause nicht sicher fühlst. Wenn du ständig aufpassen musst. Wenn du nie zur Ruhe kommst. Wenn du dich allein fühlst.

Dann ist das Grund genug, dir Hilfe zu holen.

Du musst das nicht allein schaffen.

Vielleicht hast du schon versucht, jemandem etwas zu sagen.

Vielleicht nur vorsichtig.

Vielleicht mit kleinen Hinweisen.

Und vielleicht hat bisher niemand verstanden, was du eigentlich sagen wolltest.

Dann gib bitte nicht auf!

Sprich noch einmal mit jemandem.

Und wenn diese Person nicht zuhört, dann such dir die nächste.

Sende weiter Signale. Sprich weiter. Frag weiter nach Hilfe. Bis jemand versteht, wie es dir wirklich geht.

Denn du hast ein Recht darauf, dass Erwachsene dich ernst nehmen und schützen.

Mit wem kannst du sprechen?

Es muss nicht sofort ein langes Gespräch sein.

Vielleicht reicht ein Satz wie:

„Kann ich kurz mit dir reden?“

„Bei mir zu Hause ist gerade vieles schwierig.“

„Ich halte das nicht mehr gut aus.“

„Ich brauche Hilfe.“

Du kannst dich zum Beispiel an diese Menschen wenden:

  • eine Lehrkraft
  • die Schulsozialarbeit
  • eine Vertrauensperson in deiner Schule
  • deine Trainerin oder deinen Trainer
  • Eltern von Freundinnen oder Freunden
  • eine Beratungsstelle
  • das Jugendamt
  • das Kinderschutz-Telefon des Kreises Lippe: 05231 / 62-6789 oder kinderschutztelefon@kreis-lippe.de
  • oder im Notfall sofort die Polizei unter 110.

Du darfst dir Hilfe holen.

Auch dann, wenn deine Eltern nichts davon wissen sollen. Beratung ist vertraulich und du hast ein Recht darauf, Unterstützung zu bekommen.

Ort der Kinderrechte

Du hast Rechte.

Kinderrechte gelten nicht nur in der Schule.

Sie gelten auch in den Ferien. Zuhause.

Du hast das Recht,

  • geschützt zu werden,
  • ohne Gewalt aufzuwachsen,
  • ernst genommen zu werden,
  • Hilfe zu bekommen,
  • und sicher aufzuwachsen.

Niemand darf dir einreden, dass du das alles einfach aushalten musst. Oder dass du Sorgen und Probleme für dich behalten musst. Das sind Geheimnisse, die sich nicht gut anfühlen.

An alle Erwachsenen, die das lesen

Die Ferien bedeuten für viele Kinder und Jugendliche nicht nur Freizeit, sondern auch, dass wichtige Bezugspersonen für einige Wochen wegfallen.

Gerade deshalb tragen wir Erwachsene jetzt eine besondere Verantwortung.

Kinder müssen nicht beweisen, dass sie Hilfe brauchen.

  • Wir müssen hinschauen.
  • Wir müssen nachfragen.
  • Wir müssen zuhören.
  • Und wir müssen handeln.

Nicht erst dann, wenn wir ganz sicher sind.

Sondern dann, wenn wir merken, dass etwas nicht stimmt.

Denn Kinderschutz ist keine Aufgabe einzelner Fachkräfte.

Kinderschutz ist unsere gemeinsame Verantwortung.

Jedes Kind und jede*r Jugendliche hat das Recht, sicher aufzuwachsen. Es ist unsere Aufgabe, dieses Recht zu schützen.

Zusammengefasst:

Wenn sich dieser Text nach deinem Leben anfühlt, dann mach bitte den ersten Schritt.

Sprich mit jemandem.

Und wenn dich die erste Person nicht versteht, gib nicht auf.

Du hast ein Recht auf Schutz. Du hast ein Recht auf Hilfe. Und du hast Menschen verdient, die dir zuhören.

Du suchst weitere Unterstützung?

Auf unserer Website findest du unter „Hilfe und Beratung“ viele weitere Anlaufstellen, Beratungsangebote und Notfallkontakte. Auch wenn du anonym bleiben möchtest oder deine Eltern nichts davon erfahren sollen.