Alle Kinder haben die gleichen Rechte
Jedes Kind ist einzigartig. Jeder Mensch ist anders. Das ist gut so.
Manche Kinder können sehr gut rennen. Andere können gut malen. Manche lernen schnell. Andere brauchen mehr Zeit. Manche Kinder brauchen Unterstützung im Alltag, beim Lernen oder bei der Kommunikation.
Egal, wie unterschiedlich Kinder sind: Alle Kinder und Jugendlichen haben die gleichen Rechte.
Das gilt auch für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen.
Niemand darf ausgeschlossen, benachteiligt oder schlechter behandelt werden.
Dieses Recht nennt man das Recht auf Anti-Diskriminierung.
Was sind Beeinträchtigungen und Behinderungen?
Menschen sind verschieden. Manche Kinder und Jugendliche
- nutzen einen Rollstuhl oder andere Hilfsmittel,
- sehen wenig oder gar nicht,
- hören wenig oder gar nicht,
- haben Schwierigkeiten beim Lernen,
- haben Autismus,
- können sich schwer konzentrieren,
- haben eine psychische Erkrankung,
- haben Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen,
- benötigen Unterstützung bei der Kommunikation.
Das nennt man Beeinträchtigungen.
Von einer Behinderung spricht man oft dann, wenn Menschen durch Hindernisse oder Barrieren daran gehindert werden, gleichberechtigt am Leben teilzunehmen.
Zum Beispiel:
- Ein Gebäude hat keinen Aufzug.
- Ein Spielplatz ist nicht barrierefrei.
- Informationen sind zu kompliziert geschrieben.
- Niemand erklärt wichtige Dinge in verständlicher Sprache.
- Eine Veranstaltung bietet keine Gebärdensprach-Dolmetschung an.
Wichtig ist:
Menschen mit Behinderungen sind nicht das Problem.
Das Problem sind oft die Barrieren und Hindernisse, die ihnen im Weg stehen.
Was bedeutet Anti-Diskriminierung?
Diskriminierung bedeutet, dass Menschen unfair behandelt werden.
Zum Beispiel, weil sie eine Behinderung haben, anders aussehen, anders sprechen oder Unterstützung benötigen.
Anti-Diskriminierung bedeutet das Gegenteil:
Niemand darf wegen einer Behinderung oder Beeinträchtigung benachteiligt werden.
Alle Kinder und Jugendlichen haben das Recht:
- dazuzugehören,
- mitzumachen,
- zu lernen,
- zu spielen,
- Freunde zu haben,
- ihre Meinung zu sagen,
- gehört zu werden.
Wann wird dieses Recht verletzt?
Das Recht auf Anti-Diskriminierung wird verletzt, wenn Kinder oder Jugendliche ausgeschlossen oder unfair behandelt werden.
Zum Beispiel wenn:
- ein Kind wegen seiner Behinderung nicht auf Klassenfahrt mitfahren darf,
- ein Jugendlicher ausgelacht wird, weil er langsam spricht,
- ein Verein sagt: „Du kannst hier nicht mitmachen“,
- eine Schule notwendige Unterstützung nicht anbietet,
- Informationen nicht barrierefrei zugänglich sind,
- ein Kind auf dem Spielplatz ausgeschlossen wird,
- Erwachsene Entscheidungen treffen, ohne das Kind anzuhören.
Das ist nicht fair und verletzt die Rechte von Kindern und Jugendlichen.
Du hast das Recht auf Beteiligung
Kinder und Jugendliche haben das Recht, ihre Meinung zu sagen.
Sie haben das Recht, gehört zu werden.
Das gilt für alle Kinder und Jugendlichen. Und selbstverständlich auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen.
Manchmal brauchen junge Menschen Unterstützung, damit sie ihre Meinung äußern können. Das ist ihr gutes Recht.
Dafür gibt es verschiedene Hilfen und Werkzeuge, zum Beispiel:
- Leichte Sprache,
- Einfache Sprache,
- Gebärdensprache,
- Bilder und Symbole,
- Kommunikationstafeln,
- Sprachcomputer,
- Tablets mit Kommunikations-Apps,
- Vorlese-Programme,
- Unterstützte Kommunikation,
- Assistenzpersonen.
Diese Hilfen ermöglichen Beteiligung.
Sie helfen Kindern und Jugendlichen dabei:
- ihre Wünsche mitzuteilen,
- Fragen zu stellen,
- Entscheidungen zu treffen,
- ihre Rechte wahrzunehmen,
- über ihr eigenes Leben mitzubestimmen.
Jedes Kind hat etwas zu sagen.
Jede Meinung zählt.
Du hast das Recht auf Unterstützung
Kinder sind auf Erwachsene angewiesen.
Sie brauchen Schutz, Begleitung und Unterstützung.
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen sind oft in besonderem Maß auf Unterstützung angewiesen. Deshalb haben sie ein Recht auf die Hilfe, die sie benötigen.
Niemand darf ihnen notwendige Unterstützung verwehren.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Unterstützung in der Schule,
- Assistenz im Alltag,
- Hilfsmittel,
- Therapien,
- barrierefreie Informationen,
- Unterstützung bei der Kommunikation.
Diese Hilfen sind keine Sonderbehandlung.
Sie sorgen dafür, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben.
Du hast das Recht auf eigene Entscheidungen
Jeder Mensch möchte über sein Leben mitbestimmen.
Auch Kinder und Jugendliche mit Behinderungen haben das Recht, eigene Entscheidungen zu treffen.
Erwachsene sollen nicht einfach über ihre Köpfe hinweg entscheiden.
Sie sollen zuhören, erklären und unterstützen.
Kinder und Jugendliche sollen – je nach Alter und ihren Möglichkeiten – selbst entscheiden können:
- welche Freizeitangebote sie nutzen möchten,
- welche Hobbys sie haben,
- mit wem sie Zeit verbringen,
- welche Wünsche und Ziele sie haben,
- was ihnen wichtig ist.
Unterstützung bedeutet nicht, anderen alles abzunehmen.
Unterstützung bedeutet, Menschen dabei zu helfen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
Was bedeutet Inklusion?
Inklusion bedeutet:
Alle gehören dazu.
Niemand soll ausgeschlossen werden.
Schulen, Vereine, Spielplätze, Jugendzentren und andere Orte sollen so gestaltet sein, dass alle Kinder und Jugendlichen mitmachen können.
Nicht die Menschen müssen sich anpassen.
Die Gesellschaft muss Hindernisse abbauen.
Wir alle tragen Verantwortung
Kinderrechte werden nur dann Wirklichkeit, wenn wir alle mithelfen.
Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Vereine, Schulen, Politik und Gesellschaft tragen Verantwortung.
Aber auch Kinder und Jugendliche können sich füreinander einsetzen.
Wir können:
- respektvoll miteinander umgehen,
- niemanden ausgrenzen,
- Unterstützung anbieten,
- Barrieren abbauen,
- aufmerksam zuhören,
- verschiedene Meinungen akzeptieren,
- für die Rechte anderer eintreten.
Wenn wir das tun, entsteht eine Gemeinschaft, in der alle dazugehören und sich wohlfühlen können.
Das Wichtigste
Du hast das Recht:
- nicht benachteiligt zu werden,
- dazuzugehören,
- Unterstützung zu bekommen,
- deine Meinung zu sagen,
- gehört zu werden,
- über dein Leben mitzubestimmen.
Jedes Kind ist wichtig.
Jedes Kind hat Rechte.
Und jedes Kind soll die Möglichkeit haben, diese Rechte auch wirklich zu nutzen.
Kinderrechte und Behindertenrechte
Das Recht auf Nicht-Diskriminierung steht in Artikel 2 der UN-Kinderrechtskonvention.
Kinder und Jugendliche mit Behinderungen werden außerdem durch die UN-Behindertenrechtskonvention besonders geschützt.
Beide sagen: Alle Kinder und Jugendlichen haben die gleichen Rechte. Sie sollen selbstbestimmt leben, ihre Meinung sagen und gleichberechtigt an allen Bereichen des Lebens teilnehmen können.
