🌳🌱👧🧑🤝💡 Meine Geschichte vom Werte-Baum

Ich erzähle euch von unserem Baum. Dem Werte-Baum.

Ihr Erwachsenen sagt oft, dass Kinderrechte bei euch wichtig sind.

Ich glaube euch sogar, dass ihr es ernst meint.

Aber ich möchte euch von etwas erzählen, das wir jeden Tag sehen, auch wenn ihr es manchmal nicht merkt.

Bei uns steht ein Baum.

Nicht irgendwo in einem Konzept oder auf einem Plakat,

sondern mitten in unserem Alltag. Und der sieht so aus:

Die Wurzeln

Die Wurzeln sieht niemand.

Ihr nennt sie Werte.

Respekt, Schutz, Beteiligung, Gerechtigkeit.

Ich habe gelernt: Wurzeln müssen nicht viele sein.

Aber sie müssen tief gehen.

Und sie müssen halten. Auch dann, wenn es stürmt.

Wir merken ziemlich schnell, ob diese Werte nur Worte sind

oder ob sie wirklich tragen.

Vor allem dann, wenn es schwierig wird.

Wenn wir wütend sind.

Wenn wir traurig sind.

Wenn wir etwas wollen, das euch nicht passt.

Der Stamm ist eure Haltung

Er zeigt, wie ihr grundsätzlich über uns denkt. Noch bevor ihr etwas sagt oder tut.

Wir merken eine klare Haltung, wenn sie aus euren Werten kommt und nicht von der Situation abhängt.

Dann ist spürbar:

Ihr seht uns als gleichwürdig.

Unsere Gefühle sind für euch nicht übertrieben oder nebensächlich, sondern ernst zu nehmen.

Ihr traut uns zu, mitzudenken und mitzuentscheiden.

Und ihr macht deutlich, dass wir Rechte haben. Jeden Tag, nicht nur dann, wenn es gerade gut passt.

Diese Haltung fühlt sich für uns sicher an.

Aber sie ist nicht immer bequem für euch, das merken wir auch.

Manchmal bedeutet sie, stehen zu bleiben, obwohl ihr es eilig habt.

Innezuhalten, statt schnell zu reagieren.

Zuzuhören, auch wenn ihr anderer Meinung seid.

Und manchmal heißt sie, die eigene Macht zu begrenzen und Entscheidungen zu teilen.

Gerade das macht den Stamm stabil.

Weil wir dann wissen:

Eure Haltung trägt uns. Auch dann, wenn es schwierig wird.

Euer Verhalten

Euer Verhalten ist das, was aus dieser Haltung sichtbar wird.

Nicht eure Absicht zählt für uns, sondern das, was wir erleben.

Wir merken Kinderrechte, wenn ihr uns fragt und mit unserer Antwort etwas macht.

Wenn ihr Entscheidungen erklärt.

Wenn ihr unser Nein respektiert.

Wenn ihr eingreift, wenn Grenzen verletzt werden.

Wenn ihr Verantwortung übernehmt. Auch für Fehler.

Und wenn ihr euch entschuldigen könnt.

Wir merken aber auch, wenn das nicht passiert.

Wenn Beteiligung endet, sobald es kompliziert wird.

Wenn über uns gesprochen wird, statt mit uns.

Wenn Regeln wichtiger sind als Menschen.

Dann lernen wir schnell, wie viel Platz wir wirklich haben.

Die Baumkrone ist das, was bei uns ankommt

In der Baumkrone sieht man, was euer Verhalten mit uns macht.

Wenn wir erleben, dass unsere Rechte verlässlich gelten, werden wir mutiger.

Wir trauen uns, unsere Meinung zu sagen, weil wir wissen, dass sie zählt.

Wir übernehmen Verantwortung, weil wir beteiligt sind und nicht nur betroffen.

Wir sprechen Probleme an, statt sie mitzunehmen und innerlich kleiner zu werden.

Wir bauen Vertrauen auf. Langsam, aber echt.

Wenn wir aber erleben, dass Kinderrechte unsicher sind oder vom jeweiligen Erwachsenen abhängen, verändert sich etwas in uns.

Manche von uns ziehen sich zurück, werden still oder unauffällig.

Andere werden laut oder wütend, weil das der einzige Weg ist, gesehen zu werden.

Viele von uns lernen, sich anzupassen, statt sich zu zeigen.

Nicht, weil wir nichts zu sagen hätten, sondern weil wir gelernt haben, dass unsere Stimme nicht immer gewollt ist.

Das ist keine Trotzreaktion.

Das ist eine logische Antwort auf das, was wir erleben.

Was wir euch sagen wollen:

Kinderrechte merkt man nicht an euren guten Absichten.

Man merkt sie daran, wie sich euer Alltag für uns anfühlt.

👉 Ob wir sicher sind.

👉 Ob wir mitentscheiden dürfen.

👉 Ob unser Nein gilt.

👉 Und ob eure Haltung verlässlich ist.

Der Baum zeigt euch das.

Nicht in den Wurzeln.

Nicht im Stamm.

Sondern in seiner Krone.

Wenn ihr wissen wollt, ob Kinderrechte bei euch wirklich umgesetzt werden,

💙 dann schaut auf uns.

💙 Fragt uns.

💙 Hört zu.

Denn wir leben jeden Tag in dieser Baumkrone.

Also merkt euch:

Die Erwachsenen gestalten den Boden und den Stamm.

Die Auswirkungen unseres Handelns leben in der Baumkrone.

Werte prägen unsere Haltung, Haltung unser Verhalten

und Kinder und Jugendliche zeigen uns jeden Tag, was daraus entsteht.