Welttag gegen Kinderarbeit: Kinderrechte gelten überall – auch im Internet

Heute, am 12. Juni, ist Welttag gegen Kinderarbeit.

Wenn du das Wort Kinderarbeit hörst, denkst du vielleicht zuerst an Kinder, die in Fabriken arbeiten, auf Feldern schwere Lasten tragen oder viele Stunden am Tag Geld verdienen müssen. Tatsächlich ist Kinderarbeit für Millionen Kinder weltweit ein großes Problem.

Doch wusstest du, dass es auch in Deutschland Kinderarbeit gibt?

Arbeiten dürfen, aber nur unter bestimmten Regeln

Nicht jede Arbeit von Kindern ist automatisch Kinderarbeit. Viele Jugendliche verdienen sich etwas Taschengeld dazu. Zum Beispiel durch Zeitungsaustragen, Nachhilfe geben oder Hunde ausführen.

In Deutschland gibt es dafür klare Regeln:

Kinder ab 13 Jahren dürfen leichte Arbeiten übernehmen.

– Sie dürfen höchstens zwei Stunden am Tag arbeiten.

In landwirtschaftlichen Familienbetrieben sind bis zu drei Stunden erlaubt.

Einen Ferienjob mit ganztägiger Arbeit dürfen Jugendliche erst ab 15 Jahren machen.

Diese Regeln sollen Kinder schützen. Denn Schule, Freizeit, Erholung und Zeit mit Freundinnen und Freunden sind wichtig für eine gesunde Entwicklung.

Kinderarbeit gibt es auch in Deutschland

Die Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes hat untersucht, wie Kinder in Deutschland arbeiten. Dabei zeigte sich: Viele Kinder arbeiten unter Bedingungen, die eigentlich nicht erlaubt sind.

Manche sind jünger als erlaubt. Andere arbeiten zu lange oder sogar nachts. Wieder andere übernehmen Aufgaben, die für Kinder zu gefährlich sind. Zum Beispiel das Bedienen von Maschinen oder Tätigkeiten, bei denen sie mit Alkohol in Kontakt kommen.

Besonders häufig werden Verstöße gegen die Regeln in Familienbetrieben festgestellt, etwa in Restaurants oder auf Bauernhöfen.

Auch Kinder, die regelmäßig Familienmitglieder pflegen oder betreuen, übernehmen oft sehr viel Verantwortung. Diese Arbeit wird häufig übersehen, obwohl sie Kinder stark belasten kann.

Eine neue Form von Kinderarbeit: Social Media

Kinderarbeit kann heute auch ganz anders aussehen.

Vielleicht kennst du Familien auf Instagram, TikTok oder YouTube, die ihren Alltag filmen. Manche Eltern verdienen damit Geld. Sie zeigen ihr Familienleben, machen Werbung für Produkte und veröffentlichen regelmäßig Fotos und Videos ihrer Kinder.

Solche Accounts werden oft als „Family Influencer“ bezeichnet.

Auf den ersten Blick wirkt das harmlos. Doch Expert*innen sehen darin auch Risiken für Kinderrechte.

Wenn das ganze Leben online ist

Viele Kinder auf Familien-Accounts werden schon als Babys fotografiert oder gefilmt. Oft können sie noch gar nicht selbst entscheiden, ob sie das möchten.

Besonders problematisch wird es, wenn Kinder in sehr persönlichen Situationen gezeigt werden, zum Beispiel:

beim Weinen,

– während eines Wutanfalls,

– auf dem Wickeltisch,

– beim Arztbesuch,

– oder in anderen intimen Momenten.

Solche Bilder und Videos können von vielen Menschen gesehen, gespeichert und weiterverbreitet werden.

Warum kann das Kindern schaden?

Verlust der Privatsphäre

Jedes Kind hat das Recht auf einen geschützten privaten Raum. Doch wenn ständig Bilder und Videos veröffentlicht werden, geht ein Teil dieser Privatsphäre verloren.

Das Problem: Was einmal im Internet landet, lässt sich oft nicht mehr vollständig löschen.

Psychischer Druck

Wenn Kinder regelmäßig für Fotos oder Videos vor der Kamera stehen müssen, kann das Stress verursachen. Manche fühlen sich beobachtet oder haben das Gefühl, immer funktionieren zu müssen.

Keine echte Entscheidungsmöglichkeit

Kleine Kinder können oft noch gar nicht verstehen, welche Folgen Veröffentlichungen im Internet haben können. Deshalb können sie auch nicht wirklich zustimmen oder widersprechen.

Digitale Ausbeutung

Manche Familien verdienen Geld mit Bildern und Videos ihrer Kinder. Die Kinder werden dabei Teil eines Geschäftsmodells, ohne selbst entscheiden zu können, ob sie das möchten.

Kinderrechte gelten auch online

Die UN-Kinderrechtskonvention schützt Kinder auf der ganzen Welt. Deutschland hat dieser Vereinbarung zugestimmt und muss die darin festgelegten Rechte anwenden und achten.

Dazu gehören unter anderem:

das Recht auf Schutz vor Ausbeutung,

– das Recht auf Privatsphäre,

– das Recht auf Freizeit und Erholung,

– das Recht auf eine gesunde Entwicklung,

– das Recht, bei wichtigen Entscheidungen angehört zu werden.

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages weist darauf hin, dass die regelmäßige Einbindung von Kindern in kommerzielle Social-Media-Inhalte eine Form von Kinderarbeit sein kann. Besonders dann, wenn Freizeit, Entwicklung oder Persönlichkeitsrechte der Kinder beeinträchtigt werden.

Wusstest du schon?

📱 Etwa ein Drittel der deutschen Influencer*innen zeigt Kinder deutlich erkennbar in ihren Beiträgen.

👶 Bei besonders großen Accounts ist es sogar ungefähr jeder zweite.

❤️ Beiträge mit sehr jungen Kindern erhalten oft besonders viele Likes und Kommentare.

Das zeigt: Kinder werden im Internet häufig zum Mittelpunkt von Aufmerksamkeit. Manchmal auch, weil damit Geld verdient werden kann.

Was kannst du tun?

Kinderrechte gehen uns alle etwas an.

Du kannst:

dich über Kinderrechte informieren,

✔ mit Freund*innen und Erwachsenen darüber sprechen,

✔ respektieren, wenn jemand nicht fotografiert oder gefilmt werden möchte,

✔ überlegen, welche persönlichen Informationen du selbst im Internet teilen möchtest,

✔ dich dafür einsetzen, dass Kinder selbst mitentscheiden dürfen, was mit ihren Bildern und Daten passiert.

Kinder haben ein Recht auf Kindheit

Der Welttag gegen Kinderarbeit erinnert uns daran, dass Kinder nicht ausgebeutet werden dürfen. Egal ob auf Feldern, in Restaurants, in Familienbetrieben oder vor einer Smartphone-Kamera.

Kinder haben das Recht auf Schutz, Freizeit, Privatsphäre und eine unbeschwerte Kindheit.

Diese Rechte gelten überall. Offline und online.