Du musst nicht hören, um gehört zu werden

Gestern war Tag der Gehörlosen.

Ein Tag, der sichtbar macht, was im Alltag immer noch viel zu oft übersehen wird: Gehörlose Kinder und Jugendliche haben dieselben Rechte wie alle anderen. Auch das Recht, mitzureden, mitzuentscheiden und ernst genommen zu werden.

Und dafür braucht es manchmal andere Wege der Kommunikation.

Gebärdensprache zum Beispiel. Aber auch schriftliche Kommunikation, Bilder, Symbole, digitale Hilfsmittel, Mimik und Gestik können Möglichkeiten sein, sich auszudrücken und verstanden zu werden.

Denn Kommunikation funktioniert nicht nur über gesprochene Worte.

Und jetzt mal ehrlich: Wer muss sich eigentlich anpassen?

Wenn ein gehörloses Kind nicht versteht, was gerade gesagt wird, liegt das nicht automatisch daran, dass es „nicht mitkommt“.

Vielleicht fehlen einfach die passenden Informationen.

Vielleicht wird zu schnell gesprochen.

Vielleicht gibt es keine Gebärdensprachdolmetschung.

Vielleicht sind wichtige Informationen nur akustisch verfügbar.

Vielleicht wurde gar nicht gefragt, wie das Kind selbst am besten kommuniziert.

Das Problem ist dann nicht das Kind.

Das Problem ist eine Umgebung, die Kommunikation nur auf eine bestimmte Art zulässt.

Kinderrechte brauchen Verständigung

Beteiligung funktioniert nur, wenn Kinder tatsächlich die Möglichkeit haben, ihre Meinung einzubringen.

Wie soll ein Kind mitentscheiden, wenn Informationen nicht zugänglich sind?

Wie soll ein Jugendlicher seine Meinung sagen, wenn niemand die eigene Kommunikationsform ernst nimmt?

Und wie soll Beteiligung funktionieren, wenn Erwachsene zwar fragen – aber eigentlich nur Antworten akzeptieren, die sie selbst problemlos verstehen?

Kinder haben ein Recht darauf, gehört zu werden. Nicht nur dann, wenn sie laut sprechen.

Unser Appell an Erwachsene:

Schaut genauer hin. Fragt nach. Lernt andere Formen der Kommunikation kennen. Schafft Zugänge statt Hürden.

Und vor allem:

Sprecht nicht über Kinder, wenn ihr mit ihnen sprechen könnt.

Gebt gehörlosen Kindern und Jugendlichen Raum, Zeit und die passenden Möglichkeiten, ihre Meinung selbst auszudrücken.

Denn sie brauchen keine Sonderrechte.

Sie brauchen ihre Kinderrechte.